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Datum: 
Donnerstag, 7. März 2019 - 17:30

Ankunft abgeschobener Gambier - ein Augenzeugenbericht

Abschiebung nach Gambia am 25.2.2019
Flug Frankfurt – Banjul

Beobachtungen einer deutschen Touristin und zugleich Mitglied des Gambia-Helfernetzes

Flugzeug mit den Abgeschobenen kam um 15.20 Uhr in Banjul an.
Abflug von Frankfurt, offenbar eine dänische Fluggesellschaft.
Am Haupteingang vor dem Flughafengebäude hatten sich Freunde, Angehörige und Journalisten versammelt, um die Abgeschobenen in Empfang zu nehmen. Die Wartenden versuchten, die Flughafenangestellten zu befragen, was drinnen vor sich geht. Die Leute wurden von der Security weggeschickt.
Trotzdem drangen Informationen nach draußen, die dann weiter verbreitet wurden. So erfuhr man, dass das Immigration Office sich weigerte, die Abgeschobenen einreisen zu lassen, weil sie keine gambischen Pässe hatten. Es gab eineinhalb Stunden lang Diskussionen zwischen den verschiedenen Akteuren. Der Pilot sagte, dann nehme er die Passagiere wieder mit nach Deutschland, wenn sie nicht einreisen dürfen. Die ganzen Debatten fanden
im Flugzeug statt.
Es gab offenbar einen Anruf bei der Regierung Barrow, wohl nicht beim Präsidenten persönlich, sondern bei einem Minister, der dann die Immigration-Behörden anwies, die Abgeschobenen einreisen zu lassen. Das Gerücht ging um, dass die deutschen Beamten den gambischen Immigration Officers Geld gegeben hätten, damit sie die Menschen einreisen lassen.
Die Abgeschobenen weigerten sich auszusteigen und wurden von den deutschen Begleitpersonen aus dem Flugzeug gedrängt. Die Flughafenleitung hatte registrierte, dass viele Leute auf dem Flughafengelände auf die Abgeschobenen warteten. Die Abgeschobenen wurden deshalb am Seiteneingang hinausgeführt. Normalerweise ist dies der Waren-Ausgang. Diese Information sickerte durch, und die Wartenden bewegten sich Richtung Seiteneingang.
Unter einem Mango-Baum, nahe des Seiteneingangs, wurden die Papiere der
Abgeschobenen von den Immigration Officers gecheckt. Freunde, Angehörige und Journalisten hatten den Platz entdeckt und wollen hinzukommen. Die Flüchtlinge wollten mit ihren Angehörigen und den Journalisten reden und winkten ihnen, näher zu kommen. Doch dies wurde nicht erlaubt.
Die Wartenden hatten das Gefühl, dass sie von den Behörden ausgetrickst werden sollten. Die Flüchtlinge sollten aus dem Flughafen-Gelände rausgeschmuggelt werden, ohne dass jemand etwas mitkriegt, wurde vermutet.
Ca. vier Stunden nach der Ankunft wurden die Abgeschobenen beim Mango-Baum auf drei Pick-Ups geladen inklusive ihres Gepäcks, sofern sie welches dabei hatten. Manche hatte nur eine Plastiktüte mit ihren Papieren dabei. Sie wurden zum Flughafen-Ausgang gefahren. Es sind drei Kilometer vom Flughafen-Gebäude und dem Ausgang an der Hauptstraße.

Dort mussten sie aussteigen, jeder bekam ein bisschen Geld, 200 oder 400 Dalasis, 3,50 € bzw. 7 €. Zu wenig Geld für diejenigen, die aus dem Landesinneren stammen und einige 100 Kilometer Fahrt in ihre Dörfer haben.
Im Flugzeug hatte jeder Flüchtling drei Begleiter, wahrscheinlich Polizisten, um sich herum. Alle Flüchtlinge waren an den Händen gefesselt während des Flugs, wurde berichtet.
Es war niemand da von der gambischen Regierung, um die Flüchtlinge am Flughafen in Empfang zu nehmen. Keine NGO. Keine IOM. Von den 20 Abgeschobenen sind möglicherweise vier oder fünf keine Gambier. Ihre Namen
lassen auf den Senegal schließen. Es waren keine Frauen unter den Abgeschobenen. Manche wurden von Freunden oder Angehörigen abgeholt. Viele jammerten und schimpften, sie wüssten nicht, wohin sie jetzt gehen sollten. Manche waren total durcheinander. Einer war aggressiv und ging auf einen Journalisten los. Die Abgeschobenen denken, dass sie „verkauft“ werden, dass sie eine Ware sind: Die deutsche Regierung gebe der gambischen Regierung Geld, um die Flüchtlinge zurückzunehmen. Die ganze Wut richtet sich gegen die demokratische Regierung von Barrow. Unter dem Diktator Jammeh habe es keine Abschiebungen gegeben. Schuld an den Abschiebung ist in ihre Augen die gambische Regierung.
Drei Einzelinterviews
Person A
Aus Konstanz, im zweiten Ausbildungsjahr als Maler
Keine Ausbildungsduldung, Aufenthaltsgestattung mit Arbeitserlaubnis
Auf dem Weg zur Schule von der Polizei mitgenommen worden
Er stand bei 30 Grad in der Abenddämmerung auf dem Flughafen-Gelände und trug noch seinen Winter-Anorak, mit dem er am Morgen in Konstanz aus dem Haus gegangen war.
Person B
War wohl im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg (Die Berichterstatterin hatte „Stuttgart – Hasbach“ verstanden). Er war wegen Suizidgefahr eingeliefert worden, hatte im Gefängnis gesessen wegen Drogenhandel. Er wurde um 5.00 Uhr morgens von der Polizei abgeholt und nach Frankfurt gebracht. Sein Kommentar: „Ich will mit der Regierung sprechen. Sie müssen diese Abschiebungen stoppen!“
Person C
Er sass im Abschiebegefängnis in Pforzheim, bei seiner Verhaftung versuchte, sich umzubringen mit zahllosen Messerschnitten. Diese wurden im Krankenhaus versorgt und kam er dann ins Abschiebegefängnis, dies mit einer
Duldung bei Arbeitsverbot und reduzierten Leistungen (151 €). Dann wurde er mit nicht verheilten Wunden, nicht gezogenen Fäden und Prellungen abgeschoben. Er hatte als Maler gearbeitet, er konnte nicht in die Schule und durfte keine Ausbildung beginnen. Er hat in Deutschland keine Straftaten  begangen. Der Vater eines zwei Monate alten Säugling sagte: „Ich möchte mein Kind sehen (das in Deutschland geblieben ist). Hier in Gambia gibt
es keine Zukunft für mich.“